1.02.18

Unkündbarkeit: Diese Mythen halten sich wacker

Unkündbarkeit gibt es nicht. Es gibt lediglich Mitarbeiter, die erhöhten Kündigungsschutz genießen. Sie sich nicht so leicht zu kündigen wie andere. Erhöhten Kündigungsschutz haben z. B. Azubis, Schwangere oder auch schwerbehinderte Menschen. Dennoch halten sich einige Irrtümer rund um das Thema Unkündbarkeit hartnäckig. Die häufigsten habe ich Ihnen im Folgenden zusammengestellt.

1. Eine Kündigung setzt keine vorherige 3-malige Abmahnung voraus

 

Eine verhaltensbedingte Kündigung setzt grundsätzlich die vorherige Abmahnung voraus. Lediglich in seltenen Ausnahmefällen kann auf eine solche verzichtet werden. Ziel einer Abmahnung ist es, dem Arbeitnehmer gegenüber eine Warnung auszusprechen. Deshalb kommt es letztlich auch nicht auf die Anzahl der Abmahnungen an, sondern vielmehr darauf, dass deren Funktion – die eindeutige Warnung – erfüllt ist.

Die mehrfache Abmahnung eines wiederholten Fehlverhaltens kann sogar vorteilhaft für Ihren Kollegen sein. Denn in einem solchen Fall kann er darauf vertrauen, dass der Arbeitgeber in dem Verhalten keinen wirklich ausreichenden Grund für eine Kündigung sieht.

TIPP: Sollte Ihr Arbeitgeber einen Kollegen mehrfach wegen eines wiederholten Fehlverhaltens abmahnen und ihm anschließend kündigen, empfehlen Sie Ihrem Kollegen, sich darauf zu berufen, dass die Abmahnung ihre Wahrfunktion verloren hat.

 

2. Keine Schutzfrist nach einem Betriebsübergang

 

Viele Arbeitnehmer glauben, dass ihnen nach einem Betriebsübergang ein Jahr lang nicht gekündigt werden darf. Das stimmt so nicht. Denn das Gesetz untersagt lediglich eine Kündigung wegen eines Betriebsübergangs, § 613a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Dabei spielt es übrigens auch keine Rolle, wann diese Kündigung erfolgt. Sie wäre deshalb auch kurz vor oder nach dem Betriebsübergang verboten. Eine Frist von einem Jahr sieht das Gesetz hingegen nicht vor. Zudem wird auch das Kündigungsverbot wegen eines Betriebsübergangs oft falsch interpretiert. Liegt trotz Betriebsübergangs ein sachlicher und tragender anderer Kündigungsgrund vor, ist eine Kündigung möglich.

3. Auch arbeitsunfähig kranken Arbeitnehmern kann gekündigt werden
 

 

Eine Kündigung während einer Krankheit ist genauso zu beurteilen wie jede andere auch. Eine Krankheit schließt eine Kündigung also nicht aus. Sie ermöglicht in einigen Fällen vielleicht sogar erst die krankheitsbedingte Kündigung.

4. Eine Kündigung kann auch während des Urlaubs ausgesprochen werden

Arbeitnehmer können auch während ihres Urlaubs uneingeschränkt gekündigt werden. Liegen die entsprechenden Voraussetzungen vor, ist auch eine fristlose Kündigung nach §626 BGB möglich. Problematisch ist das oft im Hinblick auf das Einhalten der Frist für die Kündigungsschutzklage. Denn eine Kündigung muss bekanntlich 3 Wochen nach Zugang des Kündigungsschreibens vor Gericht angegriffen werden.


Was aber passiert, wenn sich der betroffene Arbeitnehmer bis dahin oder sogar noch länger im Urlaub befindet und deshalb nichts von der Kündigung weiß?

Die Kündigung geht einem Arbeitnehmer mit dem Einwurf des Kündigungsschreibens in den Hausbriefkasten zu. Das gilt selbst dann, wenn Ihr Arbeitgeber weiß, dass ein Kollege urlaubsbedingt abwesend ist. Deshalb haben Ihre Kolleginnen und Kollegen grundsätzlich auch bei einer urlaubsbedingten Abwesenheit die gesetzliche Klagefrist des § 4 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) von 3 Wochen zwischen dem Zugang der Kündigung und der Klageerhebung einzuhalten.

 

Autor: Friederike Becker-Lerchner


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